1922 in Walbeck 61 Kinder geboren

Walbeck. „56 Kinder, 25 Knaben und 27 Mädchen, darunter 8 uneheliche“, wurden 1922 getauft, berichtete der Weferlinger Anzeiger im Januar 1923 aus dem kirchlichen Leben in Walbeck. Geboren wurden 61 Kinder. „Zwei Kinder wurden katholisch getauft, einem Kind musste die Taufe versagt werden, da die Eltern aus der Kirche ausgetreten sind. 1921 wurden 61 Kinder getauft“, heißt es weiter. Etwas merkwürdig klingt diese Feststellung: „Die meisten Mütter ließen sich bei der Taufe mit ihren Kindern einsegnen, auch die gute Sitte, dass die Väter die Kinder ins Gotteshaus begleiten, bürgert sich mehr und mehr ein.“

Zudem wird berichtet, dass 32 Jugendliche, 17 Knaben und 15 Mädchen, 1922 konfirmiert wurden. Im Jahr davor waren es 45 Konfirmanden. 23 Paare wurden 1922 getraut, davon neun mit kirchlichen Ehren. 27 Gemeindemitglieder sind 1922 verstorben, 25 wurden kirchlich beerdigt. Zwei ungetaufte Kinder, die nur Stunden lebten, wurden in aller Stille beigesetzt.

Urteil nach Einbruch in Villa Tiedemann

Walbeck (mbu) Stendaler Strafkammer Walbeck Das Schöffengericht Weferlingen hatte den Schlosser Paul L. wegen Einbruchdiebstahls im Jahr 1922 zu einem Jahr Gefängnis und den Bergmann Walter H., beide aus Walbeck, zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten hatten gemeinschaftlich mit anderen in der Nacht zum 17. November 1922 in Walbeck „in der Villa des Majors von Tiedemann einen Einbruch verübt und aus der Villa Jagdgewehre, Wäsche, Stiefel usw. im Werte von 2000000 Mark entwendet“, berichtete der Weferlinger Anzeiger im April 1923. Gegen das Urteil hatten die Angeklagten Berufung einlegt. Die Strafkammer Stendal ermäßigte die Strafe des Schlossers L. auf 10 Monate Gefängnis. In einer späteren Verhandlung des Schöffengerichts Weferlingen im Juni wurde der Gärtner Friedrich E., der früher in Walbeck wohnte, „angeklagt, den Einbruchdiebstahl in die von Tiedemannsche Villa (früher Claus) seinerzeit begünstigt zu haben. Er wurde freigesprochen.“

Jahresbeitrag von 800 Mark im Sportverein

 

Weferlingen. Mit schwierigen finanziellen Verhältnissen hatten der Männerturnverein (MTV) von 1881 und der Turnverein Jahn in Weferlingen vor 100 Jahren zu kämpfen, die „durch die fortschreitende Markentwertung hervorgerufen“ wurden, so schrieb der Weferlinger Anzeiger im Januar 1923. Beide Vereine beschlossen daher in ihren Jahreshauptversammlungen, den Mitgliedsbeitrag auf 200 Mark im Vierteljahr festzusetzen. Der Jahresbeitrag belief sich damit auf 800 Mark.

Dienstjubiläum des Obergärtners in Seggerde

Dienstjubiläum des Obergärtners in SeggerdeSeggerde. In geistiger und körperlicher Frische habe der Obergärtner Robra in Seggerde sein 50jähriges Dienstjubiläum gefeiert, erfuhren die Leser des Weferlinger Anzeigers im Februar 1923 und weiter: „Von seinem Chef, dem Landrat a.D. von Davier, erhielt er ein Geldgeschenk, von den Mitbeamten einen Lehnstuhl. Der Jubilar, der Garde-Dragoner war und den Feldzug von 1870/71 mitmachte, diente schon dem früheren Besitzer des Rittergutes, dem Domherrn von Spiegel.“

Landwirte helfen ohne Lohn

Landwirte halfen ohne Lohn beim Straßenbau

Weferlingen. Klamme Kassen und schlechte Straßen haben auch die Gemeindevertreter schon vor 100 Jahren beschäftigt. So wurde in der Sitzung der Gemeindevertretung im März 1923 festgestellt, „dass die Pflege der Straßen, besonders der Landstraßen, arg vernachlässigt worden ist. Zum Ausbau der Saalsdorfer Chaussee haben sich die Landwirte und Anlieger bereit erklärt, die nötigen Fuhren unentgeltlich zu leisten.“ Nur so sei es möglich, „die immerhin noch erheblichen Kosten der Wiederherstellung dieser sich in besonders schlechtem Zustande befindlichen Straße aufzubringen.“ Diese Kosten sollten jedoch aus der Gemeindekasse getragen werden, schrieb der Weferlinger Anzeiger.

Arbeitslosigkeit 1923

1923 gab es 160 Arbeitslose in Weferlingen

Weferlingen. Die Arbeitsnot überall in Deutschland mache sich auch in der Region bemerkbar, war im Januar 1923 im Weferlinger Anzeiger zu lesen. Die Zeitung schreibt: „Man zählt jetzt in Weferlingen über 160 Arbeitslose. Die Waggonbau-Abteilung der Zementfabrik Drachenberg wird, wie wir hören, stillgelegt. Danach sollen an 100 Mann entlassen werden.“

Kuh gekauft für 3 Millionen Mark

Weferlingen. Die gegenwärtige Inflation verunsichert viele. Doch wie viel mehr muss die Inflation vor einem Jahrhundert unsere Vorfahren aus der Bahn geworfen haben. Da ging es um kaum vorstellbare Summen. So berichtete der Weferlinger Anzeiger im März 1923: „Einen saftigen Braten zur Konfirmationsfeier wird die von den Fleischermeistern Gebrüder Tennstedt hier geschlachtete Kuh geben. Diese wog 16 Zentner und stammt aus der Wirtschaft eines Landwirts unserer Gegend.“ Die Zeitung ergänzt: „Dass ein solches Stück Rindvieh trotz der gefallenen Preise immer noch ein Schweinegeld kostet, zeigt die Tatsache, dass diese Kuh mit 3 Millionen Mark bezahlt worden ist.“

Quelle: Volksstimme/ M.B.

Vor 100 Jahren Gemeindeschwester

Weferlingen (mbu) Eine Gemeindeschwester war vor einem Jahrhundert in Weferlingen tätig. Auch Nachbarorte konnten davon offensichtlich profitieren. Die Tätigkeit der Schwester zu finanzieren, war aber nicht immer einfach. Anfang März 1917 schrieb der Weferlinger Anzeiger, dass die bisherige Gemeindeschwester Elise Boutin nach fünfjähriger Tätigkeit in Weferlingen auf ihren Wunsch vom Evangelischen Diakonieverein Zehlendorf, dem sie angehört, einen anderen Wirkungskreis übernimmt. Ihre Nachfolgerin sei Schwester Anna Penckert, eine gebürtige Altmärkerin. Die Wohnung sei dieselbe, hieß es. Ein Dienstzimmer gab es daher wohl nicht.

Mitte Dezember 1919 wurde darüber berichtet, dass der Jungfrauenverein einen Familienabend im Saale des „Markgrafen von Bayreuth“ veranstalten würde. „Der Reinertrag ist für die hiesige evangelische Gemeindediakonie bestimmt. An die letztere treten infolge der herrschenden Teuerungsverhältnisse so hohe finanzielle Anforderungen heran, dass die zur Verfügung stehenden Mittel bei weitem nicht ausreichen. Hoffentlich wird der Familienabend so zahlreich besucht, dass er mit einem beträchtlichen Überschuss abschließt“, schrieb der Anzeiger. Das Programm sei sehr reichhaltig. Die früheren Veranstaltungen des Vereins hätten sich immer großer Beliebtheit erfreut.

Neben solchen Aktionen zur Finanzierung der Gemeindekrankenpflege gab es auch Aufrufe an die Einwohner, doch direkt zu spenden. So hieß es Ende März 1920, „heute und morgen werden durch besondere Boten einmalige Beiträge für die Gemeindekrankenpflege erbeten.“ Die Quittung erfolge in der Zeitung. Und tatsächlich veröffentlichte der Anzeiger ein paar Tage später eine lange Liste mit Namen und den entsprechenden Spenden. Von 20 Pfennig bis zu 20 Mark wurde gespendet, insgesamt kamen 1030,70 Mark zusammen. Ein paar Tage später wurden nochmal ein paar Namen genannt, die Spenden von insgesamt 35 Mark waren wohl nachträglich eingegangen.

Mitte Juni 1920 informierte der Weferlinger Anzeiger, die Gemeindeschwesterwohnung befinde sich jetzt in der Superintendentur. Sprechstunden würden von 7 bis 9 Uhr vormittags stattfinden.

Das Problem der Finanzierung blieb über die Jahre. Die Weferlinger Gemeindekrankenpflege teilte am 21. Dezember 1921 mit: „Durch die ungeheure Preissteigerung ist die hiesige Gemeindekrankenpflege gefährdet. Schon das vorige Rechnungsjahr lief mit einem Fehlbetrag von 62,93 Mark ab. Die Anforderungen zwangen uns, bis zum 2. 11. ein Darlehen von 2000 Mark aufzunehmen. Von diesem Darlehen kann vorläufig in absehbarer Zeit nichts zurückgezahlt werden.“ Das Mutterhaus zu Zehlendorf habe den Beitrag hiesiger Gemeinde für das Gehalt der Schwester von 2600 Mark auf 4000 Mark erhöht. Die noch fehlende Summe von 1000 Mark sei noch nicht vorhanden.

„Der Vorstand bittet zunächst die in Betracht kommenden Gemeinden, ihre Beiträge gütigst erhöhen zu wollen. Die Gemeinden Weferlingen und Döhren sind dieser Bitte bereits nachgekommen; es haben erhöht: Weferlingen von 900 auf 2000 Mark, Döhren von 75 Mark auf 200 Mark. Beiden Gemeinden wird dafür auch an dieser Stelle herzlich gedankt.“ Die Gemeinden von Seggerde und Siestedt wurden gebeten, ihre Beiträge entsprechend dem Döhrener Beitrag zu erhöhen. Aber auch damit allein würde das gute Werk noch nicht sichergestellt sein, war zu lesen. Sammler werden in Weferlingen in der laufende Woche herumgehen mit der herzlichen Bitte um eine einmalige Gabe, wird angekündigt und ergänzt: „Wir wenden uns vor allem an diejenigen, die ein besonders hohes Einkommen erzielt haben.“

Quelle: Volksstimme

Kinder stiegen auf fahrende Rübenwagen

In einer Bekanntmachung des Amtsvorstehers Reichwald in Weferlingen vom 16. Oktober 1917, die im Weferlinger Anzeiger veröffentlicht wurde, hieß es, dass bereits mehrere Anzeigen und Beschwerden darüber eingegangen seien, „dass von den Rübenwagen durch Kinder fortwährend Rüben entwendet werden. Es kommt ja vor, dass einige Rüben durch die Erschütterung auf dem Straßenpflaster vom Wagen fallen, und es wäre dann schade, wenn diese Rüben liegen bleiben und von den nachfolgenden Wagen überfahren und so der Ernährung von Menschen wie auch Vieh verloren gingen.“ Allerdings heißt es in der Bekanntmachung auch, es sei „beobachtet worden, dass Kinder, mit Stangen ausgerüstet, die Rüben vom Wagen stoßen und sogar auf die fahrenden Wagen steigen und große Mengen Rüben herunterwerfen. Gegen ein derartiges Treiben muss aber ganz energisch eingeschritten werden. Es ist daher die Pflicht der Eltern und Erzieher unserer Jugend, diese auf das Böse dieses Tuns und die Folgen hinzuweisen. Gendarme und Polizeibeamte sind angewiesen, mir jede von ihnen wahrgenommene Übertretung zur Anzeige zu bringen.“

Erfolgreiche Geflügelzüchter

Auf einer großen Geflügelausstellung in Magdeburg waren Geflügelzüchter der Region erfolgreich vertreten, vermeldete der Weferlinger Anzeiger am 18. Dezember 1921. Hohe Auszeichnungen erhielten in der Abteilung Hühner Dr. Nake aus Walbeck für Plymouth, Hermanns aus Weddendorf für Gold-Wyandottes, C.H. Thieme aus Weferlingen für Asseel. In der Abteilung Gänse wurden die Tiere von W. Moebius aus Weferlingen prämiert.