Walbeck (mbu) Stendaler Strafkammer Walbeck Das Schöffengericht Weferlingen hatte den Schlosser Paul L. wegen Einbruchdiebstahls im Jahr 1922 zu einem Jahr Gefängnis und den Bergmann Walter H., beide aus Walbeck, zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten hatten gemeinschaftlich mit anderen in der Nacht zum 17. November 1922 in Walbeck „in der Villa des Majors von Tiedemann einen Einbruch verübt und aus der Villa Jagdgewehre, Wäsche, Stiefel usw. im Werte von 2000000 Mark entwendet“, berichtete der Weferlinger Anzeiger im April 1923. Gegen das Urteil hatten die Angeklagten Berufung einlegt. Die Strafkammer Stendal ermäßigte die Strafe des Schlossers L. auf 10 Monate Gefängnis. In einer späteren Verhandlung des Schöffengerichts Weferlingen im Juni wurde der Gärtner Friedrich E., der früher in Walbeck wohnte, „angeklagt, den Einbruchdiebstahl in die von Tiedemannsche Villa (früher Claus) seinerzeit begünstigt zu haben. Er wurde freigesprochen.“
Author Archives: Bürgerverein Weferlingen e.V.
Jahresbeitrag von 800 Mark im Sportverein
Weferlingen. Mit schwierigen finanziellen Verhältnissen hatten der Männerturnverein (MTV) von 1881 und der Turnverein Jahn in Weferlingen vor 100 Jahren zu kämpfen, die „durch die fortschreitende Markentwertung hervorgerufen“ wurden, so schrieb der Weferlinger Anzeiger im Januar 1923. Beide Vereine beschlossen daher in ihren Jahreshauptversammlungen, den Mitgliedsbeitrag auf 200 Mark im Vierteljahr festzusetzen. Der Jahresbeitrag belief sich damit auf 800 Mark.
Dienstjubiläum des Obergärtners in Seggerde
Dienstjubiläum des Obergärtners in SeggerdeSeggerde. In geistiger und körperlicher Frische habe der Obergärtner Robra in Seggerde sein 50jähriges Dienstjubiläum gefeiert, erfuhren die Leser des Weferlinger Anzeigers im Februar 1923 und weiter: „Von seinem Chef, dem Landrat a.D. von Davier, erhielt er ein Geldgeschenk, von den Mitbeamten einen Lehnstuhl. Der Jubilar, der Garde-Dragoner war und den Feldzug von 1870/71 mitmachte, diente schon dem früheren Besitzer des Rittergutes, dem Domherrn von Spiegel.“
Landwirte helfen ohne Lohn
Landwirte halfen ohne Lohn beim Straßenbau
Weferlingen. Klamme Kassen und schlechte Straßen haben auch die Gemeindevertreter schon vor 100 Jahren beschäftigt. So wurde in der Sitzung der Gemeindevertretung im März 1923 festgestellt, „dass die Pflege der Straßen, besonders der Landstraßen, arg vernachlässigt worden ist. Zum Ausbau der Saalsdorfer Chaussee haben sich die Landwirte und Anlieger bereit erklärt, die nötigen Fuhren unentgeltlich zu leisten.“ Nur so sei es möglich, „die immerhin noch erheblichen Kosten der Wiederherstellung dieser sich in besonders schlechtem Zustande befindlichen Straße aufzubringen.“ Diese Kosten sollten jedoch aus der Gemeindekasse getragen werden, schrieb der Weferlinger Anzeiger.
Arbeitslosigkeit 1923
1923 gab es 160 Arbeitslose in Weferlingen
Weferlingen. Die Arbeitsnot überall in Deutschland mache sich auch in der Region bemerkbar, war im Januar 1923 im Weferlinger Anzeiger zu lesen. Die Zeitung schreibt: „Man zählt jetzt in Weferlingen über 160 Arbeitslose. Die Waggonbau-Abteilung der Zementfabrik Drachenberg wird, wie wir hören, stillgelegt. Danach sollen an 100 Mann entlassen werden.“
Der Bürgerverein bereitet sich auf den Start in die neue Saison vor
Am Sonntag, 24. April, sollen das Heimat- und Apothekenmuseum und der Aussichtsturm erstmals wieder regulär geöffnet werden. An jedem dritten Sonntag im Monat können dann bis Oktober Gäste kommen. Für den Auftakt bereitet der Vorstand des Vereins eine Sonderausstellung über die heimische Tierwelt vor, kündigt der Vereinsvorsitzende Heiko Kloß an. Der Landesjagdverband hat dafür Unterstützung zugesagt, er wird Fotografien von Tieren in Wald und Flur zur Verfügung stellen. Der Naturpark Drömling könnte präparierte Tiere beisteuern. Außerdem soll die Schmetterlingssammlung, die der Weferlinger Alfred Fischer jun. 2006 dem Heimat- und Apothekenmuseum gestiftet hatte, gezeigt werden. Sein Vater Alfred Fischer (1902 – 1987) hatte von Jugend an Schmetterlinge und Käfer gesammelt. 1986 war die Sammlung erstmals in einer Sonderausstellung in der Weferlinger Heimatstube zu sehen und zog damals in vier Stunden Öffnungszeit 350 Besucher an.
Da die Schmetterlings- und Käferpräparate im Laufe der Jahre Schaden genommen hatten, bat der Bürgerverein vor mehreren Jahren die Entomologische Gesellschaft in Magdeburg um Hilfe. Vier Mitglieder dieser Gesellschaft hatten daraufhin in mühevoller Arbeit die Schmetterlinge und Käfer restauriert, sie haben beispielsweise abgebrochene Fühler oder Flügel wieder angeklebt und die Arten bestimmt. Alfred Fischer sen. war selbst einst Mitglied der Fachgruppe Entomologie.
2015 wurde die erneuerte Sammlung im Museum erstmals gezeigt. Seitdem wird sie in Schaukästen in einem Schrank verwahrt und so vor zu viel Lichteinfall geschützt. Passend zur heimischen Tierwelt soll sie nun erneut präsentiert werden.

Taubensperre installiert, jetzt müssen sie von draussen zuschauen.
Bevor es im Museum jedoch richtig losgeht, treffen sich Vereinsmitglieder noch zum Frühjahrsputz. Auch im Turm ist einiges zu tun.
Hier bereitet vor allem Taubendreck große Probleme. Und nach kräftigen Regenfällen steht regelmäßig Wasser im Turm.

Gerd Müller (l.) und Sascha Broß waren am Sonnabend dabei, der Bank in der Grünanlage ein neues Fundament zu geben.

Kraftakt….alte Fundamente können sehr schwer sein!
Am Sonnabend trafen sich einige Vereinsmitglieder zu einem Arbeitseinsatz in der Grünanlage am Steinweg, wo eine Stele an den Entomologen und Forstmann Maximilian Wahnschaffe erinnert. Die Bank in dieser Anlage musste ein neues Fundament bekommen. Dafür musste das alte Fundament erst ausgegraben werden.

Die erste Bank steht, wen auch provisorisch zum Aushärten des Betons.
Der Vorstand des Bürgervereins hat inzwischen auch weitere Termine für Veranstaltungen geplant. So soll zum Internationalen Museumstag am 15. Mai, der unter dem Motto „Museen mit Freude entdecken“ steht, ein kleines Fest für die ganze Familie vorbereitet werden. Der Tag soll besonders dem Handwerk gewidmet werden.
Für den 19. Juni steht der beliebte Turmtreppenlauf auf dem Kalender. Viel Energie ist für den alljährlichen Tag des offenen Denkmals, der am 11. September begangen wird, wieder nötig. Und zum Saisonschluss am 16. Oktober wird in diesem Jahr ein Herbstmarkt ins Auge gefasst.
Quelle: Volksstimme/ M.Bullmann
Entertainer, Moderator und Veranstalter- Klaus Banse; „Ich brauche Menschen um mich“
Er ist Osterhase oder Weihnachtsmann, Butler oder Hofnarr, Dr. Frühlingslust oder der Kollege vom TÜV, Hausmeister oder Amtsschimmel oder auch Gerda Petrowska – mehr als 20 Kostüme hängen bei Klaus Banse im Schrank. Klaus Banse ist Moderator und Animateur. Zum 1. Dezember 2019 hat er sich selbständig gemacht. Drei Monate später kam Corona. Noch ein 40. Geburtstag und dann am 8. März eine Frauentagsveranstaltung in Magdeburg, dann war es vorbei mit Festen und Feiern. Und dabei blieb es.

Klausi moderiert beim Maibaumstellen vor dem Weferlinger Rathaus
Mit Auftritten bei großen oder kleinen Festen landesweit, Familienfeiern, bei verschiedenen Anlässen in Möbel- oder Kaufhäusern oder anderen Einrichtungen war 2020 und 2021 nicht viel los. Dabei hatte er sich in den Jahren zuvor in diesem Metier schon gut etabliert.
Den Schritt in die Selbständigkeit hatte Klaus Banse gut überlegt. Als er sich 2019 beruflich neu orientieren musste, rieten ihm Freunde, doch sein Hobby zum Beruf zu machen. Ein paar Monate dachte er darüber nach, ließ sich beraten, nahm dann all seinen Mut zusammen und entschied sich dafür. „Ich brauche Menschen um mich, Arbeit am Schreibtisch ist nichts für mich“, versichert der 61-Jährige. Mit Corona konnte schließlich niemand rechnen.
„Jetzt halte ich mich vor allem mit Hilfsarbeiten über Wasser“, sagt er. „In meinem Gewerbeschein stehen zum Glück auch Dienstleistungen.“ Mal eine Hecke schneiden, ein Grundstück beräumen, eine Wand streichen, davon muss er leben. Nur einmal hat er eine kleine finanzielle Unterstützung bekommen. Doch Klaus Banse bleibt optimistisch.

Mit Clown Alfredo (r.) vom Zirkus Maximus verstand sich Klaus Banse gut. Von ihm konnte der Weferlinger im Clownskostüm noch lernen.
Den Mai-Tanz in Weferlingen hat er noch nicht ganz aufgegeben. Vielleicht kann er den Abend doch noch kurzfristig organisieren, denn Klaus Banse versucht sich inzwischen auch als Veranstalter – mit Erfolg. Das Oktoberfest, das er 2021 zum ersten Mal als Selbständiger im Haus der Generationen und Vereine auf die Beine gestellt hat, ist gut gelaufen. Die Silvesterfete, die folgen sollte, fiel dann allerdings Corona zum Opfer.
Eigentlich habe alles an seinem 28. Geburtstag begonnen, erinnert sich der Wahl-Weferlinger. In geselliger Runde habe ihn seine damalige Nachbarin überredet, doch mal zum Tanz- und Folkloreverein Schönebeck mitzukommen. Und so tanzte er künftig mit, trainierte Folklore- und Showtänze, stand auf vielen Bühnen, denn es machte ihm Spaß. 1999 trat der Verein auch auf der Buga in Magdeburg auf. Doch wie der Auftritt an dem Tag angesagt wurde, gefiel ihm nicht sonderlich. „Dann probiere es doch selbst“, forderten ihn die Tänzerinnen und Tänzer im Verein auf. Klaus Banse probierte und steht seitdem bei vielen regionalen Festen als Moderator auf der Bühne.
Schon 2000 beim Sachsen-Anhalt-Tag in Bitterfeld war er dabei, dann 2001 in Haldensleben. Bei jedem Landesfest präsentiert er seitdem bunte Programme. „Auch für Stendal in diesem Jahr hatte ich schon die Zusage, aber das ist ja nun abgesagt“, bedauert er. Beim Altstadtfest in Haldensleben hat er bereits 18 Mal als Moderator mitgewirkt. Er hofft, dass er auch dort wieder dabei ist, wenn endlich das nächste Fest stattfinden kann.
Und er hofft auf Auftritte, bei denen er in eine Rolle schlüpfen kann. Irgendwann hatte ihn ein Bekannter gefragt, ob er nicht für seine Eltern irgendwas zu einem Familienfest machen könnte. Da hatte er sich schon mit Bühnenmoderationen die ersten Sporen verdient. Klaus Banse konnte, er stieg in Frauenkleider und erfand Gerda Petrowska. Danach fragte immer mal wieder jemand nach Unterhaltung zu einem Geburtstag, einer Silberhochzeit oder anderen Gelegenheiten und Klaus Banse dachte sich immer neue Figuren aus. Mehr als 20 sind es inzwischen. Auch aus dem Fundus eines Berliner Theaters hat er sich Kostüme geholt.
Gern zieht er den Frack an und fungiert als Butler. Bei Hochzeiten ist das zum Beispiel gefragt. Er steht dem Brautpaar beim Empfang der Gäste zur Seite, nimmt die Geschenke ab und kümmert sich während der Feier um die kleinen Wünsche oder Sorgen der Gäste bis zum Taschentuch oder Pflaster. Leider kam er 2020 nur bei zwei Hochzeiten zum Einsatz, im vergangenen Jahr sogar nur bei einer.

„Klausi“, der Weihnachtswichtel mit Gefährt
Im Frack haben ihn viele Weferlinger auch schon bei verschiedenen Gelegenheiten erlebt, und zwar ehrenamtlich. Im Weferlinger Vereinsleben packt der 61-Jährige überall mit an, hat auch gerade erst mitgeholfen, als die Weihnachtssterne auf den Straßen wieder abgebaut wurden, ist beim Tag des offenen Denkmals dabei, beim Markgrafenfest, beim Fasching und zu anderen Anlässen. Dabei wohnt er noch gar nicht lange im Flecken.
2016 hat es ihn nach Weferlingen verschlagen. Etliche Jahre zuvor hatte er Biker aus dem Flecken kennengelernt und sich mit ihnen angefreundet. Als er dann eine neue Wohnung suchte, hieß es gleich: „Dann komm doch nach Weferlingen, wir suchen dir eine Wohnung.“ Diesen Schritt hat er nicht bereut. Er fühlt sich hier wohl, ist gut integriert.
Das Tanzen hat er übrigens aufgegeben. Kostüme einer Karibik-Show – für Lambada und Samba – hängen allerdings noch im Schrank. Aber die Tanzpartnerin fehlt.
Quelle: Volksstimme/ M.B.
Wussten Sie schon???
… dass Weferlingen vor einem Jahrhundert drei Zahnärzte hatte? Die „Zahn-Praxis Straubinger, Bergstraße 17“, warb im Weferlinger Anzeiger im Januar 1923 mit „erstklassigem Zahnersatz und moderner Zahnpflege“. Außerdem verkündete der Zahnarzt Dr. E. Boeckler in einer Anzeige „Ich habe mich in Weferlingen, Hotel ,Deutsches Haus‘, Steinweg, niedergelassen.“ Zudem hieß es, er sei zugelassen zum Halberstädter Knappschaftsverein und zur Allgemeinen Orts- und Landkrankenkasse Kreis Gardelegen sowie zur Allgemeinen Ortskrankenkasse Helmstedt. Weiter inserierte die Zahn-Praxis Fr. Speetzen Weferlingen, Oebisfelder Straße 9. Der Dentist bot Zahnfüllungen aller Art, praktischen Zahnersatz, Kronen, Brücken, Stiftzähne, sowie Zahnziehen mit örtlicher Betäubung an. Zu lesen war weiter, dass der Zahnarzt Mitglied des Reichsverbandes deutscher Dentisten sei.
… dass die Kinder in den Dörfern vor einem Jahrhundert schulfrei bekamen, wenn sie auf dem Kartoffelacker gebraucht wurden? Der preußische Kultusminister hatte „eine Verfügung an die Schulbehörden erlassen, wonach im Interesse der schnellen Versorgung der Städte mit Kartoffeln Schulkinder zur Kartoffelernte beurlaubt werden können“, berichtete der Weferlinger Anzeiger im August 1923.
Quelle: Volksstimme/ M.B.
Kuh gekauft für 3 Millionen Mark
Weferlingen. Die gegenwärtige Inflation verunsichert viele. Doch wie viel mehr muss die Inflation vor einem Jahrhundert unsere Vorfahren aus der Bahn geworfen haben. Da ging es um kaum vorstellbare Summen. So berichtete der Weferlinger Anzeiger im März 1923: „Einen saftigen Braten zur Konfirmationsfeier wird die von den Fleischermeistern Gebrüder Tennstedt hier geschlachtete Kuh geben. Diese wog 16 Zentner und stammt aus der Wirtschaft eines Landwirts unserer Gegend.“ Die Zeitung ergänzt: „Dass ein solches Stück Rindvieh trotz der gefallenen Preise immer noch ein Schweinegeld kostet, zeigt die Tatsache, dass diese Kuh mit 3 Millionen Mark bezahlt worden ist.“
Quelle: Volksstimme/ M.B.
