Kein Markgrafenfest 2021

Markgraf Friedrich Christian von Kulmbach-Bayreuth wird in diesem Jahr wohl nicht richtig zum Zuge kommen. Jedenfalls wird es auch in diesem Jahr kein großes Markgrafenfest geben. Bürgerverein und Kirchengemeinde sind sich darüber einig, dass das 2020 schon einmal verschobene Fest auch 2021 noch nicht umsetzbar sein wird. Lutz Otto Westphal, der den Markgrafen Friedrich Christian von Kulmbach-Bayreuth seit 2008 verkörpert, kann muss daher auch nicht in das historische Gewand schlüpfen.Kein Markgrafenfest 2021

Schon im vergangenen Jahr sollte die Restaurierung des Mausoleums des Markgrafen und der 300. Jahrestag der Einweihung der St.-Lamberti-Kirche mit einem großen Fest begangen werden. Doch Corona kam dazwischen. Zu diesem besonderen Fest war auch eine Theateraufführung geplant. Antje Almus-Walther, die Initiatorin der Theatergruppe, hatte dafür das Stück über den Markgrafen, das 2008 zu seinem 300. Geburtstag aufgeführt wurde, etwas bearbeitet. Damals hatte Petra Schiemann dieses Stück geschrieben und mit Schülern aufgeführt. In der überarbeiteten Version werden Kinder und Erwachsene gemeinsam spielen. Allerdings ist es wegen der Einschränkungen nicht möglich, das Stück einzustudieren. Daher hoffen alle auf 2022.

Der Bürgerverein will in diesem Jahr andere Arbeiten in Angriff nehmen, am Mausoleum und an der Stele für Maximilian Wahnschaffe muss zum Beispiel der Kies erneuert werden. Weitere ähnliche Arbeiten sind zu erledigen.

Vereinsvorsitzender Heiko Kloß hofft, dass wenigstens das Heimat- und Apothekenmuseum geöffnet werden kann. Die Vorbereitungen für eine Ausstellung zum 140. Geburtstag des MTV laufen. Wie es mit dem Tag des offenen Denkmals und dem Turmtreppenlauf aussehen wird, ist noch nicht absehbar.

 

140 Jahre alt wird der Männerturnverein Weferlingen (MTV) in diesem Jahr. Guter Grund für eine Ausstellung im Heimat- und Apothekenmuseum, die gegenwärtig vorbereitet wird. Der Verein kann auf zehn Abteilungen verweisen.

140 Jahre Geschichte müssen in einen Raum passen. Das wird nicht einfach, sind sich Marco Radl, der Vorsitzende des MTV Weferlingen, und Gerd Müller, der ehrenamtliche Leiter des Heimat- und Apothekenmuseums, einig. Schon bei dem ersten Treffen, als Marco Radl den Fundus aus der Geschichte der Abteilung Fußball mitbrachte, und Gerd Müller alles dazulegte, was sich im Archiv der Bürgervereins im Museum zum Sport in Weferlingen fand, hätte der große Raum im Museum ohne Probleme gefüllt werden können. Und das Material ist erst nur ein Bruchteil.

Jetzt werden noch alle Abteilungen des Vereins Bilder und Dokumente aus ihrer Vergangenheit und Gegenwart beisteuern. Und dann gibt es ja auch noch die Sportart, die heute im Verein so nicht mehr betrieben wird, die aber in der Geschichte Bedeutung hatte und die im Namen des Vereins dokumentiert ist, das Turnen.

Heute gibt es im Verein zehn Abteilungen, das sind Fußball, Handball, Volleyball, Leichtathletik, Tischtennis, Kegeln, Tanzen, Kinderturnen, Gymnastik und Badminton. Ob die Akteure vom Kinderturnen an frühere Turntraditionen irgendwann mal anknüpfen können? Zu wünschen wäre es.

Die Ausstellungsplaner wollen selbstverständlich auch auf „Vorzeige-Weferlingerinnen“ aufmerksam machen. Auf besonders erfolgreiche Sportlerinnen, die in Weferlingen ihre sportliche Laufbahn begonnen haben. Die Leichtathletin Angela Voigt, damals hieß sie noch Schmalfeld, wurde 1976 in Montreal Olympiasiegerin im Weitsprung mit 6,79 Metern. Sie hat übrigens als Fünfkämpferin begonnen und sich dann auf den Weitsprung konzentriert. Zweite wurde sie 1973 bei den DDR-Meisterschaften und 1974 bei den Halleneuropameisterschaften.

Um bei Ausnahmesportlern zu bleiben, wäre da auch Handballerin Antje Lauenroth, die seit 2015/16 in der Bundesliga spielt, bereits 2008 mit der U20-Nationalmannschaft den Weltmeistertitel erkämpfte und mit ihrem Verein, der SG BBM Bietigheim, zweimal die Deutsche Meisterschaft gewann und 2017 ihr Debüt in der Nationalmannschaft gab. Handball und Fußball sind die stärksten Abteilungen beim MTV.

Für die Fußballer des Vereins, der damals allerdings BSG Traktor Weferlingen hieß, war der Sieg beim Bezirkspokal 1965 der bisher größte Erfolg. Damals gewann der Verein den „Goldenen Traktor“. Der Pokal, eben dieser goldene Traktor, war in den vergangenen Jahren leider abhanden gekommen. Doch in Flechtingen hatten die Weferlinger einen solchen Pokal ohne Beschilderung gesehen, den haben sie sich nun für die Ausstellung ausgeliehen.Marco gold. Traktor

Urkunde mit Mannschaftsbild und goldenem Traktor muss einen guten Platz in der Ausstellung bekommen, meint Marco Radl, der damit auch die Abteilung Fußball vertritt. Den Bezirkspokalsieg haben damals Günter Michaelis, Horst Reinisch, Dietmar Malicke, Joachim Dörge, Walter Paul, Heinz Eichelmann, Kurt Markgraf, Peter Pitterling, Peter Strube, Reiner Kraska, Horst Schild, Achim Miehe, Werner Heil und Günter Jeremias errungen. Die Namen sind auf dem Foto vermerkt. Unter vielen anderen Bildern aber stehen keine Namen. Bei Bildern jüngeren Datums ist es kein Problem, alle zu erkennen. Bei den älteren Bildern, beispielsweise bei dem Foto von 1906 allerdings dürfte das schwierig werden. Vielleicht aber entdecken künftige Besucher der Ausstellung ihre Vorfahren auf einigen Bildern.

Die Aktiven vom MTV und vom Bürgerverein hoffen, dass die Ausstellung am dritten Sonntag im April eröffnet werden kann. Seit Jahren ist es üblich, dass im Heimat- und Apothekenmuseum mit der neuen Sonderausstellung im großen Raum im Obergeschoss die neue Saison beginnt. „Wir möchten dann gern auch einen Infostand vor dem Museum aufbauen, um für unseren Verein zu werben“, sagt Marco Radl.

Schweine – Diebe kamen ins Gefängnis

Die Diebe des aus dem Winkel in Weferlingen gestohlenen etwa vier Zentner schweren Schweines seien verhaftet und in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert worden, berichtete der Weferlinger Anzeiger Ende Dezember 1920. Von den drei Festgesetzten sei einer vorläufig wieder auf freiem Fuß. „Das Schwein wurde in Helmstedt entdeckt; die Diebe hatten das Tier zwar getötet, aber die Eingeweide darin gelassen, so dass das Fleisch minderwertig geworden war“, hieß es. Das Schwein wurde beschlagnahmt und dem Eigentümer in Weferlingen wieder zugestellt. Die Festgenommenen sind Weferlinger, es werden aber wahrscheinlich auch Helmstedter in diese Sache verwickelt gewesen sein, mutmaßt das Blatt

Weferlinger Landwirt erhielt Messepreise

Schöne Erfolge erzielte der Weferlinger Landwirt Wilhelm Moebius auf der D.L.G.-Ausstellung in Leipzig, berichtete der Weferlinger Anzeiger am 26. Juni 1921. Weiter schrieb das Blatt über die Ergebnisse des Weferlingers auf der Schau der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft: „Zwei erste Preise wurden ihm zuerkannt für die ersten Absaaten von ,Rud. Bethges Sommergerste‘ und von ,Aderslebener Siegfriedhafer‘. Ein 4. Preis wurde seiner Absaat von ,Strubes rotem Schlanstedter Sommerweizen‘ zuteil. Welche ungeheure Bedeutung die Verwendug eines hochgezüchteten Saatgutes für die Volkswirtschaft hat, zeigt die Tatsache, dass der weltbekannte Petkuser Roggen durch fortgesetzte Weiterentwicklung in der Ertragsfähigkeit so gesteigert ist, dass derselbe seit dem Jahre 1891 durchschnittlich einen Zentner Körner mehr gibt als die nächstbeste durch die deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft geprüfte Vergleichssorte. Das bedeutet: die Leistungsfähigkeit des Petkuser Roggens hat uns von dem Roggenbezuge aus dem Ausland völlig frei gemacht.“

4025 Weferlinger Einwohner im Jahr 1919

Fast doppelt soviel Einwohner wie heute lebten vor einem Jahrhundert in Weferlingen. „Bei der letzten Volkszählung wurde in Weferlingen die Einwohnerzahl 4025 festgestellt“, schrieb der Weferlinger Anzeiger am 23. Oktober 1919 kurz und bündig. Die „allgemeine Volkszählung“ hatte am 8. Oktober des Jahres stattgefunden. Für jeden Haushalt war eine „Haushaltungsliste auszufüllen, in welche alle in der Nacht vom 7. auf den 9. Oktober 1919 in der Haushaltung anwesenden Personen und in einem besonderen Abschnitt auch alle vorübergehend abwesenden Personen einzutragen sind. Die Zählung soll in erster Linie die Unterlage für eine gleichmäßige Verteilung der Lebensmittel bieten“, hatte der Anzeiger Ende Juli angekündigt und ergänzt: „Für die bei der Zählung über die Persönlichkeit des Einzelnen gewonnenen Nachrichten ist das Amtsgeheimnis zu wahren.“

Fischdiebe an der Aller

Vor einigen Monaten sei von Fischdieben in Weferlingen berichtet worden, die mit Sprengstoffen die Teiche und Flüsse der hiesigen Gegend beraubten, schrieb der Weferlinger Anzeiger Anfang Dezember 1917 und verkündete: „Nunmehr ist es gelungen, der Täter habhaft zu werden. Eine der beschlagnahmten Sprengbomben ist eine mit Kalk, Schwefel, Pulver und Sand angefüllte Bierflasche, die mittels Zündschnur zur Entladung gebracht wurde.“

Ohne Badehose in der Aller

Zu einer sicher ungewöhnlichen Warnung sah sich der Weferlinger Amtsvorsteher Becker im Weferlinger Anzeiger vom 6. Juli 1921 veranlasst. In der Zeitung hieß es: „Es ist wiederholt Klage darüber geführt, das in der Aller unmittelbar in der Nähe öffentlicher Wege gebadet wird, ohne dass die Badenden mit Badeanzug oder Badehose bekleidet sind. Das Schamgefühl anderer wird hierdurch auf das Gröblichste verletzt. Ich warne hiermit vor Wiederholungen und werde in Zukunft jeden Verstoß gegen die öffentliche Sittlichkeit zu gerichtlicher Bestrafung bringen.“

Selbstschussanlagen vor 100 Jahren- keine Erfindung der DDR- Grenzer

Selbstschussanlagen auf dem Kleinbahnhof

Die Kleinbahn-Aktiengesellschaft Neuhaldensleben-Weferlingen habe die Erlaubnis erhalten, in Weferlingen auf der Station Zuckerfabrik und am Güterschuppen Selbstschussapparate und Fußangeln auszulegen, machte Amtsvorsteher Becker mit Datum vom 12. November 1920 im Weferlinger Anzeiger bekannt. „Da die geringen Kohlenbestände durch Diebstähle noch mehr gemindert werden, sehen wir uns veranlasst, mit aller Schärfe gegen letztere vorzugehen“, teilte die Betriebsleitung der Kleinbahn Neuhaldensleben-Weferlingen dann vier Tage später in einer Anzeige mit und fuhr in der Ankündigung fort: „Das ganze Gebiet des Kleinbahnhofes wird daher vom heutigen Tage ab mit Selbstschüssen belegt. Die Kleinbahnbeamten sind zur Sicherung ihres Lebens mit Schusswaffen ausgerüstet. Es wird besonders darauf hingewiesen, dass nach der Bahnordnung das Betreten der Bahnanlagen nur den Kleinbahn-Beamten gestattet, allen übrigen Personen aber streng verboten ist. Noch besonders weisen wir darauf hin, dass die Selbstschüsse auch am Tage liegen, und deshalb das Betreten der Bahnanlagen auch am Tage mit Lebensgefahr verbunden ist.“

Im Amtsgericht Weferlingen-Kohlendiebstahl, Jugendschutz, verbotene Hausschlachtung, Nebenbuhler verprügelt

Der Flecken Weferlingen hatte einst ein Amtsgericht, in dem die unterschiedlichsten Fälle verhandelt wurden. Immer wieder mal berichtete der Weferlinger Anzeiger davon. Dabei veröffentlichte der Anzeiger nicht nur das jeweilige Urteil, sondern auch jeweils die Besetzung des Gerichts.

Von der Sitzung des Schöffengerichts Weferlingen am 2. August 1917 nannte die Zeitung als Vorsitzenden den Amtsrichter Schütze, als Schöffen den Anbauer Mauermann aus Eschenrode und den Schneidermeister Peters aus Weferlingen, als Vertreter der Staatsanwaltschaft den Bürgermeister Becker und als Protokollführer den Aktuar Fischer.

Was verhandelt wurde, erfuhren die Leser in knappen Sätzen

Der Bergmann P. aus Weferlingen hatte aus einem Eisenbahnwagen mehrere Zentner Briketts entwendet und gab an, „aus Not gehandelt zu haben, was aber nicht zutrifft, da der Angeklagte in ganz guten Verhältnissen lebt. Da er bisher unbescholten ist, wurde er zu einem Tage Gefängnis verurteilt.“

Vom nächsten Fall hieß es: „Der Gastwirt B. hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl des hiesigen Amtsgerichts eingelegt, den er erhalten hatte wegen Duldens von Jugendlichen in seinem Lokale. Das Urteil lautet hier auf 20 Mark Geldstrafe.“

Eine höhere Strafe verhängte das Schöffengericht im nächsten Fall, wenn es dabei auch ein vorhergehendes Urteil änderte. „Wegen verbotenen Hausschlachtens und weil er die Schweine nicht auf Trichinen hat untersuchen lassen, erhielt der Dachdeckermeister M. von hier einen Strafbefehl in Höhe von 125 Mark, wogegen er Einspruch einlegte“, schilderte das Blatt die Vorgeschichte und teilte mit, dass das Gericht nun eine geringere Strafe verhängte: „Das Gericht erkannte auf 100 Mark Geldstrafe oder 20 Tage Gefängnis.“

Die geringste Strafe bekam an diesem Tag ein offensichtlich frustrierter Siestedter, der die Beherrschung verloren hatte: „Angeklagt wegen Körperverletzung war der Arbeiter H. aus Siestedt. Er hatte den Zeugen H., der mit seiner Frau intim verkehrt hatte, mit einem Messerstiel bearbeitet. Er wurde zu 3 Mark Geldstrafe verurteilt.“

Das Amtsgericht diente übrigens zu DDR-Zeiten als Landambulatorium mit Praxen von einem Allgemeinmediziner und einem Zahnarzt, mit einer Physiotherapie und Sprechstunden von zahlreichen Fachärzten. Nach der Wende gab es hier zunächst noch Praxen in eigener Niederlassung, dann wurde das Gebäude schließlich zur privaten Nutzung verkauft