Vor 100 Jahren Gemeindeschwester

Weferlingen (mbu) Eine Gemeindeschwester war vor einem Jahrhundert in Weferlingen tätig. Auch Nachbarorte konnten davon offensichtlich profitieren. Die Tätigkeit der Schwester zu finanzieren, war aber nicht immer einfach. Anfang März 1917 schrieb der Weferlinger Anzeiger, dass die bisherige Gemeindeschwester Elise Boutin nach fünfjähriger Tätigkeit in Weferlingen auf ihren Wunsch vom Evangelischen Diakonieverein Zehlendorf, dem sie angehört, einen anderen Wirkungskreis übernimmt. Ihre Nachfolgerin sei Schwester Anna Penckert, eine gebürtige Altmärkerin. Die Wohnung sei dieselbe, hieß es. Ein Dienstzimmer gab es daher wohl nicht.

Mitte Dezember 1919 wurde darüber berichtet, dass der Jungfrauenverein einen Familienabend im Saale des „Markgrafen von Bayreuth“ veranstalten würde. „Der Reinertrag ist für die hiesige evangelische Gemeindediakonie bestimmt. An die letztere treten infolge der herrschenden Teuerungsverhältnisse so hohe finanzielle Anforderungen heran, dass die zur Verfügung stehenden Mittel bei weitem nicht ausreichen. Hoffentlich wird der Familienabend so zahlreich besucht, dass er mit einem beträchtlichen Überschuss abschließt“, schrieb der Anzeiger. Das Programm sei sehr reichhaltig. Die früheren Veranstaltungen des Vereins hätten sich immer großer Beliebtheit erfreut.

Neben solchen Aktionen zur Finanzierung der Gemeindekrankenpflege gab es auch Aufrufe an die Einwohner, doch direkt zu spenden. So hieß es Ende März 1920, „heute und morgen werden durch besondere Boten einmalige Beiträge für die Gemeindekrankenpflege erbeten.“ Die Quittung erfolge in der Zeitung. Und tatsächlich veröffentlichte der Anzeiger ein paar Tage später eine lange Liste mit Namen und den entsprechenden Spenden. Von 20 Pfennig bis zu 20 Mark wurde gespendet, insgesamt kamen 1030,70 Mark zusammen. Ein paar Tage später wurden nochmal ein paar Namen genannt, die Spenden von insgesamt 35 Mark waren wohl nachträglich eingegangen.

Mitte Juni 1920 informierte der Weferlinger Anzeiger, die Gemeindeschwesterwohnung befinde sich jetzt in der Superintendentur. Sprechstunden würden von 7 bis 9 Uhr vormittags stattfinden.

Das Problem der Finanzierung blieb über die Jahre. Die Weferlinger Gemeindekrankenpflege teilte am 21. Dezember 1921 mit: „Durch die ungeheure Preissteigerung ist die hiesige Gemeindekrankenpflege gefährdet. Schon das vorige Rechnungsjahr lief mit einem Fehlbetrag von 62,93 Mark ab. Die Anforderungen zwangen uns, bis zum 2. 11. ein Darlehen von 2000 Mark aufzunehmen. Von diesem Darlehen kann vorläufig in absehbarer Zeit nichts zurückgezahlt werden.“ Das Mutterhaus zu Zehlendorf habe den Beitrag hiesiger Gemeinde für das Gehalt der Schwester von 2600 Mark auf 4000 Mark erhöht. Die noch fehlende Summe von 1000 Mark sei noch nicht vorhanden.

„Der Vorstand bittet zunächst die in Betracht kommenden Gemeinden, ihre Beiträge gütigst erhöhen zu wollen. Die Gemeinden Weferlingen und Döhren sind dieser Bitte bereits nachgekommen; es haben erhöht: Weferlingen von 900 auf 2000 Mark, Döhren von 75 Mark auf 200 Mark. Beiden Gemeinden wird dafür auch an dieser Stelle herzlich gedankt.“ Die Gemeinden von Seggerde und Siestedt wurden gebeten, ihre Beiträge entsprechend dem Döhrener Beitrag zu erhöhen. Aber auch damit allein würde das gute Werk noch nicht sichergestellt sein, war zu lesen. Sammler werden in Weferlingen in der laufende Woche herumgehen mit der herzlichen Bitte um eine einmalige Gabe, wird angekündigt und ergänzt: „Wir wenden uns vor allem an diejenigen, die ein besonders hohes Einkommen erzielt haben.“

Quelle: Volksstimme

Kinder stiegen auf fahrende Rübenwagen

In einer Bekanntmachung des Amtsvorstehers Reichwald in Weferlingen vom 16. Oktober 1917, die im Weferlinger Anzeiger veröffentlicht wurde, hieß es, dass bereits mehrere Anzeigen und Beschwerden darüber eingegangen seien, „dass von den Rübenwagen durch Kinder fortwährend Rüben entwendet werden. Es kommt ja vor, dass einige Rüben durch die Erschütterung auf dem Straßenpflaster vom Wagen fallen, und es wäre dann schade, wenn diese Rüben liegen bleiben und von den nachfolgenden Wagen überfahren und so der Ernährung von Menschen wie auch Vieh verloren gingen.“ Allerdings heißt es in der Bekanntmachung auch, es sei „beobachtet worden, dass Kinder, mit Stangen ausgerüstet, die Rüben vom Wagen stoßen und sogar auf die fahrenden Wagen steigen und große Mengen Rüben herunterwerfen. Gegen ein derartiges Treiben muss aber ganz energisch eingeschritten werden. Es ist daher die Pflicht der Eltern und Erzieher unserer Jugend, diese auf das Böse dieses Tuns und die Folgen hinzuweisen. Gendarme und Polizeibeamte sind angewiesen, mir jede von ihnen wahrgenommene Übertretung zur Anzeige zu bringen.“

Erfolgreiche Geflügelzüchter

Auf einer großen Geflügelausstellung in Magdeburg waren Geflügelzüchter der Region erfolgreich vertreten, vermeldete der Weferlinger Anzeiger am 18. Dezember 1921. Hohe Auszeichnungen erhielten in der Abteilung Hühner Dr. Nake aus Walbeck für Plymouth, Hermanns aus Weddendorf für Gold-Wyandottes, C.H. Thieme aus Weferlingen für Asseel. In der Abteilung Gänse wurden die Tiere von W. Moebius aus Weferlingen prämiert.

Bürgerverein baute neue Bänke auf

Drei neue Bänke hat der Bürgerverein Weferlingen wieder in diesem Frühjahr aufstellen lassen, zwei im Riesen und eine im Hagholz, schrieb der Weferlinger Anzeiger am 18. Mai 1918. Dazu hieß es weiter: „Hoffentlich werden diese Bänke nicht wieder zerstört, wie wir es leider schon seit Jahren erfahren mussten. Die im vorigen Jahre vom Bürgerverein gespendeten Bänke wurden sogar bald nach der Aufstellung gestohlen, was jetzt doppelt zu beklagen ist, da auch die Holzwaren sehr im Preise gestiegen sind. Die Bänke sind besonders für schwächliche und erholungsbedürftige Spaziergänger eine große Annehmlichkeit. Vielleicht hilft dieser Hinweis, dass unsere Halbstarken ihre Zerstörungswut nicht mehr an den Bänken auslassen.“

Hühner zerkratzten Grabanlagen

 „Es wird wieder darüber geklagt, dass die Grabanlagen auf unserem Friedhofe von Hühnern zerkratzt werden. Sollten die betreffenden Besitzer der Hühner den Tieren von jetzt ab das Betreten des Friedhofs nicht ernstlich verwehren, so werden wir uns genötigt sehen, Strafanzeige zu erstatten“, schrieb der Weferlinger Gemeindekirchenrat in einer Annonce im Weferlinger Anzeiger Mitte Mai 1918. Der Appell wird aber wohl nicht lange angehalten haben, denn in einem Inserat im Weferlinger Anzeiger vom 21. März 1920 appellierte der Gemeindekirchenrat erneut, „die an den hiesigen Friedhöfen angrenzenden Einwohner werden ersucht, mit Rücksicht auf die Gräber die Hühner auf dem Gehöft zu behalten.“

Konsumverein zog zum Kirchplatz

Der Allgemeine Konsumverein Weferlingen informierte die Leser des Weferlinger Anzeigers am 25. Dezember 1918, dass am letzten Sonntag im Dezember sowie am Montag und Dienstag in den Geschäftsräumen im Steinweg wegen des Umzugs zum neuen Geschäftsgrundstück am Kirchplatz 2 kein Verkauf mehr stattfindet. Die Eröffnung der neuen Geschäftsräume wurden für den Nachmittag des 31. Dezembers angekündigt, teilte Ernst Täger im Namen des Vorstands des Konsumvereins mit.

Giftige Gase in einem Brunnen

Bei einer Untersuchung des Brunnens des Wärterhauses am Eisenbahn-Übergang an der Döhrener Landstraße Mitte August 1921 stellte man giftige Gase fest. Als man daraufhin den Klempner Eichelmann nach oben ziehen wollte, riss der um ihn geschnallte Gurt und E. fiel auf die im Brunnen befindlichen Eisenbalken, schrieb der Weferlinger Anzeiger. Der Klempner Siemann stieg zum zweiten Male in den Brunnen und holte Eichelmann heraus. Die durch das Aufschlagen hervorgerufenen Verletzungen des Verunglückten, bei dem der Sauerstoff-Apparat eingesetzt wurde, seien nicht so schwer, wie man anfänglich befürchtete, hieß es in der Zeitung. Siemann, der ebenfalls durch Einatmen der Gase gelitten hatte, werde in einigen Tagen wieder ganz munter sein.

Säuglingsfürsorge in Weferlingen

„Für Weferlingen und die umliegenden Ortschaften Siestedt, Ribbensdorf, Seggerde, Döhren und Hödingen ist eine Fürsorgestelle in Weferlingen im Gasthof zum Kronprinzen (Hensel) eingerichtet worden, in der vom 20. Juni ab regelmäßig an jedem Donnerstag in der Zeit von 4 – 5 Uhr nachmittags ärztliche Sprechstunden für Mütter und deren Kinder abgehalten werden“, teilte Bürgermeister Fritz Becker Mitte Juni 1918 den Lesern mit. Den Besuchern erwachsen dadurch keine Kosten, stand in der Bekanntmachung. „Vorzustellen sind nicht nur kranke und körperlich zurückgebliebene Kinder, sondern auch die gesunden Kinder sind regelmäßig vom Arzt zu besichtigen, da auch äußerlich gesund aussehende Kinder infolge innerer Leiden oft ärztlicher Hilfe bedürfen. Es wird dringend gewünscht, dass alle Kinder dem Arzt vorgestellt werden und von dieser segensreichen Einrichtung der größtmöglichste Gebrauch gemacht wird.“

Beamten-Vereinigung gebildet

Unter dem Namen Beamten-Vereinigung Weferlingen habe sich eine Vereinigung der Beamten und Lehrer gebildet, berichtete der Weferlinger Anzeiger Mitte November 1919. Der alte Weferlinger Beamtenverein sei in der neuen Vereinigung aufgegangen. „Die Vereinigung erstrebt den Zusammenschluss sämtlicher Reichs-, Staats-, Provinzial-, Gemeindebeamten und Lehrer Weferlingens“, hieß es. „Ihr Zweck ist allein die Förderung der wirtschaftlichen Interessen der Beamtenschaft. Sie will nicht in Wettbewerb treten mit den schon bestehenden Geselligkeitsvereinen. Es wird erwartet, dass alle diejenigen Beamten und Lehrer, welche in der Gründungsversammlung nicht anwesend sein konnten, möglichst bald ihren Beitritt erklären.“