Schweine – Diebe kamen ins Gefängnis

Die Diebe des aus dem Winkel in Weferlingen gestohlenen etwa vier Zentner schweren Schweines seien verhaftet und in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert worden, berichtete der Weferlinger Anzeiger Ende Dezember 1920. Von den drei Festgesetzten sei einer vorläufig wieder auf freiem Fuß. „Das Schwein wurde in Helmstedt entdeckt; die Diebe hatten das Tier zwar getötet, aber die Eingeweide darin gelassen, so dass das Fleisch minderwertig geworden war“, hieß es. Das Schwein wurde beschlagnahmt und dem Eigentümer in Weferlingen wieder zugestellt. Die Festgenommenen sind Weferlinger, es werden aber wahrscheinlich auch Helmstedter in diese Sache verwickelt gewesen sein, mutmaßt das Blatt

Weferlinger Landwirt erhielt Messepreise

Schöne Erfolge erzielte der Weferlinger Landwirt Wilhelm Moebius auf der D.L.G.-Ausstellung in Leipzig, berichtete der Weferlinger Anzeiger am 26. Juni 1921. Weiter schrieb das Blatt über die Ergebnisse des Weferlingers auf der Schau der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft: „Zwei erste Preise wurden ihm zuerkannt für die ersten Absaaten von ,Rud. Bethges Sommergerste‘ und von ,Aderslebener Siegfriedhafer‘. Ein 4. Preis wurde seiner Absaat von ,Strubes rotem Schlanstedter Sommerweizen‘ zuteil. Welche ungeheure Bedeutung die Verwendug eines hochgezüchteten Saatgutes für die Volkswirtschaft hat, zeigt die Tatsache, dass der weltbekannte Petkuser Roggen durch fortgesetzte Weiterentwicklung in der Ertragsfähigkeit so gesteigert ist, dass derselbe seit dem Jahre 1891 durchschnittlich einen Zentner Körner mehr gibt als die nächstbeste durch die deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft geprüfte Vergleichssorte. Das bedeutet: die Leistungsfähigkeit des Petkuser Roggens hat uns von dem Roggenbezuge aus dem Ausland völlig frei gemacht.“

4025 Weferlinger Einwohner im Jahr 1919

Fast doppelt soviel Einwohner wie heute lebten vor einem Jahrhundert in Weferlingen. „Bei der letzten Volkszählung wurde in Weferlingen die Einwohnerzahl 4025 festgestellt“, schrieb der Weferlinger Anzeiger am 23. Oktober 1919 kurz und bündig. Die „allgemeine Volkszählung“ hatte am 8. Oktober des Jahres stattgefunden. Für jeden Haushalt war eine „Haushaltungsliste auszufüllen, in welche alle in der Nacht vom 7. auf den 9. Oktober 1919 in der Haushaltung anwesenden Personen und in einem besonderen Abschnitt auch alle vorübergehend abwesenden Personen einzutragen sind. Die Zählung soll in erster Linie die Unterlage für eine gleichmäßige Verteilung der Lebensmittel bieten“, hatte der Anzeiger Ende Juli angekündigt und ergänzt: „Für die bei der Zählung über die Persönlichkeit des Einzelnen gewonnenen Nachrichten ist das Amtsgeheimnis zu wahren.“

Fischdiebe an der Aller

Vor einigen Monaten sei von Fischdieben in Weferlingen berichtet worden, die mit Sprengstoffen die Teiche und Flüsse der hiesigen Gegend beraubten, schrieb der Weferlinger Anzeiger Anfang Dezember 1917 und verkündete: „Nunmehr ist es gelungen, der Täter habhaft zu werden. Eine der beschlagnahmten Sprengbomben ist eine mit Kalk, Schwefel, Pulver und Sand angefüllte Bierflasche, die mittels Zündschnur zur Entladung gebracht wurde.“

Ohne Badehose in der Aller

Zu einer sicher ungewöhnlichen Warnung sah sich der Weferlinger Amtsvorsteher Becker im Weferlinger Anzeiger vom 6. Juli 1921 veranlasst. In der Zeitung hieß es: „Es ist wiederholt Klage darüber geführt, das in der Aller unmittelbar in der Nähe öffentlicher Wege gebadet wird, ohne dass die Badenden mit Badeanzug oder Badehose bekleidet sind. Das Schamgefühl anderer wird hierdurch auf das Gröblichste verletzt. Ich warne hiermit vor Wiederholungen und werde in Zukunft jeden Verstoß gegen die öffentliche Sittlichkeit zu gerichtlicher Bestrafung bringen.“

Selbstschussanlagen vor 100 Jahren- keine Erfindung der DDR- Grenzer

Selbstschussanlagen auf dem Kleinbahnhof

Die Kleinbahn-Aktiengesellschaft Neuhaldensleben-Weferlingen habe die Erlaubnis erhalten, in Weferlingen auf der Station Zuckerfabrik und am Güterschuppen Selbstschussapparate und Fußangeln auszulegen, machte Amtsvorsteher Becker mit Datum vom 12. November 1920 im Weferlinger Anzeiger bekannt. „Da die geringen Kohlenbestände durch Diebstähle noch mehr gemindert werden, sehen wir uns veranlasst, mit aller Schärfe gegen letztere vorzugehen“, teilte die Betriebsleitung der Kleinbahn Neuhaldensleben-Weferlingen dann vier Tage später in einer Anzeige mit und fuhr in der Ankündigung fort: „Das ganze Gebiet des Kleinbahnhofes wird daher vom heutigen Tage ab mit Selbstschüssen belegt. Die Kleinbahnbeamten sind zur Sicherung ihres Lebens mit Schusswaffen ausgerüstet. Es wird besonders darauf hingewiesen, dass nach der Bahnordnung das Betreten der Bahnanlagen nur den Kleinbahn-Beamten gestattet, allen übrigen Personen aber streng verboten ist. Noch besonders weisen wir darauf hin, dass die Selbstschüsse auch am Tage liegen, und deshalb das Betreten der Bahnanlagen auch am Tage mit Lebensgefahr verbunden ist.“

Im Amtsgericht Weferlingen-Kohlendiebstahl, Jugendschutz, verbotene Hausschlachtung, Nebenbuhler verprügelt

Der Flecken Weferlingen hatte einst ein Amtsgericht, in dem die unterschiedlichsten Fälle verhandelt wurden. Immer wieder mal berichtete der Weferlinger Anzeiger davon. Dabei veröffentlichte der Anzeiger nicht nur das jeweilige Urteil, sondern auch jeweils die Besetzung des Gerichts.

Von der Sitzung des Schöffengerichts Weferlingen am 2. August 1917 nannte die Zeitung als Vorsitzenden den Amtsrichter Schütze, als Schöffen den Anbauer Mauermann aus Eschenrode und den Schneidermeister Peters aus Weferlingen, als Vertreter der Staatsanwaltschaft den Bürgermeister Becker und als Protokollführer den Aktuar Fischer.

Was verhandelt wurde, erfuhren die Leser in knappen Sätzen

Der Bergmann P. aus Weferlingen hatte aus einem Eisenbahnwagen mehrere Zentner Briketts entwendet und gab an, „aus Not gehandelt zu haben, was aber nicht zutrifft, da der Angeklagte in ganz guten Verhältnissen lebt. Da er bisher unbescholten ist, wurde er zu einem Tage Gefängnis verurteilt.“

Vom nächsten Fall hieß es: „Der Gastwirt B. hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl des hiesigen Amtsgerichts eingelegt, den er erhalten hatte wegen Duldens von Jugendlichen in seinem Lokale. Das Urteil lautet hier auf 20 Mark Geldstrafe.“

Eine höhere Strafe verhängte das Schöffengericht im nächsten Fall, wenn es dabei auch ein vorhergehendes Urteil änderte. „Wegen verbotenen Hausschlachtens und weil er die Schweine nicht auf Trichinen hat untersuchen lassen, erhielt der Dachdeckermeister M. von hier einen Strafbefehl in Höhe von 125 Mark, wogegen er Einspruch einlegte“, schilderte das Blatt die Vorgeschichte und teilte mit, dass das Gericht nun eine geringere Strafe verhängte: „Das Gericht erkannte auf 100 Mark Geldstrafe oder 20 Tage Gefängnis.“

Die geringste Strafe bekam an diesem Tag ein offensichtlich frustrierter Siestedter, der die Beherrschung verloren hatte: „Angeklagt wegen Körperverletzung war der Arbeiter H. aus Siestedt. Er hatte den Zeugen H., der mit seiner Frau intim verkehrt hatte, mit einem Messerstiel bearbeitet. Er wurde zu 3 Mark Geldstrafe verurteilt.“

Das Amtsgericht diente übrigens zu DDR-Zeiten als Landambulatorium mit Praxen von einem Allgemeinmediziner und einem Zahnarzt, mit einer Physiotherapie und Sprechstunden von zahlreichen Fachärzten. Nach der Wende gab es hier zunächst noch Praxen in eigener Niederlassung, dann wurde das Gebäude schließlich zur privaten Nutzung verkauft

20 Mark Geldstrafe für rüde Prügelei

20 Mark Strafe für Verstoß gegen Jugendschutz

Im einstigen Amtsgericht Weferlingen wurden unterschiedlichste Fälle verhandelt

Der Flecken Weferlingen hatte einst ein Amtsgericht, in dem die unterschiedlichsten Fälle verhandelt wurden. Immer wieder mal berichtete der Weferlinger Anzeiger davon. Dabei veröffentlichte der Anzeiger nicht nur das jeweilige Urteil, sondern auch jeweils die Besetzung des Gerichts.

Von der Sitzung des Schöffengerichts Weferlingen am 2. August 1917 nannte die Zeitung als Vorsitzenden den Amtsrichter Schütze, als Schöffen den Anbauer Mauermann aus Eschenrode und den Schneidermeister Peters aus Weferlingen, als Vertreter der Staatsanwaltschaft den Bürgermeister Becker und als Protokollführer den Aktuar Fischer.

Was verhandelt wurde, erfuhren die Leser in knappen Sätzen. So wurde „verhandelt gegen den Kriegsinvaliden G. von hier wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung. Er hatte den Zeugen Schwartzkopf mit seinem Spazierstock, nachdem er ihn erst zerbrochen hatte, mehrmals über den Kopf geschlagen. Bei der Schlägerei hatte Sch. auch sein Jackett zerrissen. G. erhielt wegen Körperverletzung eine Geldstrafe von 20 Mark, wegen der Sachbeschädigung erfolgte Freisprechung.“

Neues Bauland auf dem Kirchenacker am Höhberg

Kirchenacker am Höhberg wurde Bauland für Arbeiter

Vor einem Jahrhundert, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, herrschte in Deutschland große Wohnungsnot. Freiwerdende Wohnungen durften deshalb nicht einfach privat vergeben werden. In Weferlingen wurde Mitte 1919 ein Mieteinigungsamt gebildet, das „für die Behebung der Wohnungsnot tätig sein“ soll. In Bericht von der Gemeindevertretersitzung Anfang Juli 1919 hieß es im Weferlinger Anzeiger dazu: „Als Maßnahmen gegen die Wohnungsnot hat man im Auge: die Erbauung von Kriegerheimstätten auf dem Gelände hinter der katholischen Kirche am Hagholz (Volksstimme berichtete bereits darüber), die Erschließung des Riesenfeldes zu Bauland. Auch soll an die Kirchenbehörde herangetreten werden zwecks Abgabe von Bauland hinter der Mostrichfabrik.“

In der evangelischen Kirchengemeinde gab es dafür wohl Verständnis, denn der Anzeiger schrieb am 20. September 1919, dass in einer Sitzung der kirchlichen Körperschaften beschlossen wurde, „einen Teil des Kirchenackers auf dem Höhberge als Bauland für Arbeiterwohnungen abzugeben. Es wurden zwei von einem Fachmanne angefertigte Pläne geprüft. Nach denselben würde das betreffende Grundstück in zehn gleich große Bauplätze (jeder Platz 1065 Quadratmeter) zu parzellieren sein. Die Häuser sind teils als einfache, teils als Doppelbauten gedacht. Zur richtigen Erschließung des Grundstücks müsste eine Straße angelegt werden.“ Auf der einen Skizze, so hieß es, „durchschneidet die Straße das Bauland in der Mitte, so dass die Häuser zu beiden Seiten liegen würden, auf der andern läuft sie an der südlichen Seite, am Grundstück des Herrn Fabrikanten Römer entlang.“ Rückblickend fiel die Entscheidung für die erste Variante. Die beiden Skizzen und außerdem noch eine Gesamtansicht wurden damals im Schaufenster des Verlags Friedrich Rath ausgelegt. Auskunft gaben die Mitglieder des Gemeindekirchenrats. Der Quadratmeter Bauland sollte mit 75 Pfennig berechnet werden. „Ausdrücklich sei bemerkt, dass die Bauplätze nur für Arbeiterwohnungen abgegeben werden sollen, und zwar immer nur einzelne Baustellen“, berichtete der Anzeiger.

Auch dieser Straßenzug wurde im Zusammenhang mit dem fast parallel verlaufenden Steinweg nach der Wende noch weiter bebaut.