Geburtstagskind MTV gibt sich ab 20. Juni endlich die Ehre

Ausstellung im Weferlinger Heimat- und Apothekenmuseum ist eröffnet!02_DSC_0239

Wer diese Ausstellung zum 140. Geburtstag des Männerturnvereins (MTV) im Heimat- und Apothekenmuseum besucht, wird viel Zeit brauchen. Keine Sonderschau hat bisher eine solche Dichte an Dokumenten und Bildern umfasst. Am Sonntag, 20. Juni, um 14 Uhr soll nun endlich die offizielle Eröffnung stattfinden, sagt der ehrenamtliche Museumsleiter Gerd Müller. Kurz vorher wird Marco Radl, der Vorsitzende des MTV, die Ausstellung schon eingeladenen Gästen aus dem Sportverein zeigen. Anders ist eine Museumsöffnung unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht möglich.

So viele Abteilungen zu präsentieren, ist eine Superleistung, die durchaus einem großen sportlichen Erfolg gleichgesetzt werden kann. Nur betrifft es diesmal nicht eine Sportart, sondern einen ganzen uralten und doch sehr jungen Verein.04_DSC_0814 (2)

Vor allem vor den unzähligen Mannschaftsfotos werden die Besucher stehen und bei den sehr alten Fotos rätseln, wer denn da zu sehen ist, sich selbst oder Familienangehörige auf den Abbildungen suchen und sich sicher über viele Jugendbilder amüsieren.

In der Ausstellung präsentieren sich nicht nur die heutigen Abteilungen des Sportvereins, auch an den Mondclub, der viele Jahre Weferlinger Sportgeschichte mitgeschrieben hat, wird erinnert.

Quelle: M.Bullmann

Neue Pläne für weiteren Ausbau des Mausoleums

Der Bürgerverein Weferlingen fasst ein neues Ziel ins Auge, um das Mausoleum des Markgrafen Friedrich Christian von Kulmbach-Bayreuth zu erhalten und kulturell nutzen zu können. Dabei geht es zunächst um die Verglasung der Gitter an den Fenstern und der Tür.

„Wir konnten das Mausoleum vor dem Verfall retten, aber wir sind noch nicht fertig“, stellte Bernd Hoffmann vor einem knappen Jahr fest, als in der St.-Lamberti-Kirche mit einer Orgelandacht an die Weihe der Kirche vor 300 Jahren erinnert und die Sanierung des Mausoleums gewürdigt wurde. Die Corona-Pandemie hatte das geplante Markgrafenfest mit der offiziellen Würdigung beider Anlässe, mit einer Aufführung des Laientheaters und dem traditionellen Kinderfest verhindert.

So konnte Bernd Hoffmann vom Bürgerverein Weferlingen, der sich mit dem Vereinsvorsitzenden Heiko Kloß vorrangig um die Arbeiten am Mausoleum gekümmert hatte, nur in kleiner Runde Bilanz ziehen und die nächsten Ziele am Mausoleum aufzählen – Verglasung, Restaurierung der Gitter, Innenanstrich und Sanierung der Figur, die in Einzelteilen im Mausoleum liegt.

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Bernd Hoffmann (v.l.) vom Bürgerverein, Thorsten Neitzel von der unteren Denkmalschutzbehörde, Nora Ruland vom Landesamt für Denkmalpflege, Bürgervereins-Vorsitzender Heiko Kloß, Christine Pieper vom Landesamt für Denkmalpflege, Christine Sobczyk vom Gemeindekirchenrat und Heike Bernstorff, Schatzmeisterin des Bürgervereins, haben im Mausoleum über Arbeiten im Innenraum beraten.

Im Mausoleum berichtete Heiko Kloß jetzt Nora Ruland, Sachgebietsleiterin Restaurierung vom Landesamt für Denkmalpflege Halle, ihrer Kollegin Christine Pieper, zuständig für Wandmalerei und Architekturoberflächen, und Thorsten Neitzel, Mitarbeiter der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Börde, von den Plänen des Bürgervereins. Auch Heike Bernstorff, Schatzmeisterin des Bürgervereins, und Christine Sobczyk, Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, waren bei dem Treffen zugegen.

Markgraf Friedrich Christian von Kulmbach-Bayreuth, der 1708 in Weferlingen geboren wurde, hatte sich das Mausoleum in Erinnerung an seine glücklichen Kinderjahre bauen lassen. Beigesetzt wurde er jedoch in der Familiengrabstätte im fränkischen Himmelkron. Nicht nur das Mausoleum und die Büste davor, die der Bürgerverein Anfang des 20. Jahrhunderts errichten ließ, zeugen heute noch vom Markgrafen. Erhalten ist auch die von ihm begründete Markgräflich Kulmbach-Bayreuthsche Stiftung, die sozialen Zwecken gewidmet ist. Nach einem großen Fest zum 300. Geburtstag des Markgrafen hat der wiedergegründete Bürgerverein auch das einst traditionelle Kinderfest zum Geburtstag des Markgrafen am 17. Juli wieder ins Leben gerufen. Und der Verein hat dem Markgrafen und seiner Familie wieder Leben eingehaucht. In Weferlingen und bei verschiedenen Anlässen im Landkreis künden sie seither von der Weferlinger Geschichte.

Mehr Wissen über die Familie und das Leben in Weferlingen zu jener Zeit will der Bürgerverein mit wechselnden Ausstellungen im Mausoleum vermitteln, berichtete der Vereinsvorsitzende den Gästen. Das sei derzeit jedoch nicht möglich. Der Innenraum sei nur mit einfachem Draht vor den beiden Fenstern und der Tür gesichert. Das reiche jedoch nicht aus. Der Bürgerverein wolle Fenster und Tür verglasen und den Innenraum restaurieren lassen, erläuterte Heiko Kloß.

Nora Ruland empfahl, die Verglasung der Fenster direkt hinter dem Gitter, so nah wie möglich, anzubringen. Der Raum dürfe nicht völlig luftdicht abgeschlossen werden. Ein Luftwechsel müsse erfolgen können. Ähnlich sehe es mit der Tür aus. „Der Eingriff muss so minimal wie möglich sein“, stellte sie fest. Darauf müsse auch bei der Auswahl des Glases geachtet werden. Sie verwies ebenso darauf, dass die zerbrochene Figur, die ursprünglich auf dem Dach gestanden hatte, im Mausoleum bleiben müsse. Das sei auch Anliegen des Vereins, stimmte der Vorsitzende zu. Die Restaurierung der Figur sei jetzt noch nicht möglich.

Nötig sei eine restauratorische Untersuchung des Innenraums, um festzustellen, was sich unter dem jetzigen Putz versteckt, merkte Christine Pieper an. An einigen Stellen seien ältere Putze sichtbar. Die Renovierungsmaßnahmen sollten auf die Sandsteinsäulen abgestimmt werden. Für die Vorhaben muss der Verein schließlich eine denkmalrechtliche Genehmigung beantragen. Dazu sind der restauratorische Befund sowie ein Vorschlag für die Verglasung nötig.

Quelle: M.Bullmann (Volksstimme)

Kirschen für die Königin

Kirschkönigin Astrid hat die Regentschaft von ihrer Vorgängerin Judy übernommen und wirbt nun für Weferlingen. 2008 hat der Bürgerverein zum ersten Mal eine Kirschkönigin gekrönt.kirschkönigin 20.06.21

Neugierig probiert die Weferlinger Kirschkönigin Astrid die Kirschen am Baum vor der Bibliothek und dem Heimat- und Apothekenmuseum und stellt fest, dass sie schon schmecken. Diesen Baum hatte der Bürgerverein Weferlingen für die erste Kirschkönigin des Ortes gepflanzt. Königin Christin wurde 2008 gekürt, in dem Jahr, als der 300. Geburtstag des Markgrafen Friedrich Christian von Kulmbach-Bayreuth mit einem riesengroßen Fest gefeiert wurde. Seither wird der Weferlinger Geschichte noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Die Idee, eine Kirschkönigin zu küren, entstand mit Blick auf eine frühere Tradition in Weferlingen, den einstigen Kirschenmarkt.

Der Kirschenmarkt war ein normaler Wochenmarkt jeweils in der zweiten Julihälfte, nur mit der Besonderheit, dass es dann auch viele Kirschen zu kaufen gab. Doch immer klappte das nicht. So berichtete der Weferlinger Anzeiger am 22. Juli 1917 von Markttagen, bei denen von Kriegszeit nichts zu spüren war: „Nur das gab es nicht, was diesem Markt den Namen gegeben hat – Kirschen: es war ein Kirschenmarkt ohne Kirschen. Die Leute, die glaubten, dass wir in diesem Jahre eine späte Ernte haben würden, haben sich getäuscht; es ist alles früher reif geworden, auch die Kirschen, so dass diese nicht mehr zu haben sind.“

Gegenwärtig jedenfalls kann man im Vorbeigehen Kirschen naschen vom Baum, der Kirschkönigin Christin gewidmet ist. Ein paar Sonnentage könnten die Früchte aber noch brauchen. Der Baum daneben, der für Kirschkönigin Heidi gepflanzt wurde, muss allerdings noch länger von der Sonne beschienen werden. Weitere Kirschbäume hat der Bürgerverein am Rand der Allerwiese gepflanzt, und zwar für die weiteren Kirschköniginnen. Nach Christin und Heidi wurden noch Maria, Celina und Judy gekürt, bevor Astrid die Königswürde übernahm.

Einige Königinnen waren länger als ein Jahr im Amt. Das hat auch Astrid Becker vor. Sie hofft, dass sie jetzt auch mehr für Weferlingen und seine Geschichte werben kann. Kirschen isst sie übrigens wirklich gern, allerdings nur dann, wenn sie in hiesigen Gefilden auch tatsächlich reifen.

Quelle: M.Bullmann

Mütter planen Sport für ihre Kinder

Schon mit zwei Jahren können Mädchen und Jungen in Weferlingen Mitglieder des 140 Jahre alten Männerturnvereins werden. Kinderturnen im Verein gibt es seit neun Jahren. Die jüngsten Abteilungen des MTV sind für die Jüngsten im Flecken Weferlingen gegründet. Dazu gehört neben dem Kinderturnen die Leichtathletik.

Das Turnen hat die Abteilung Kinderturnen des Männerturnvereins (MTV) Weferlingen zumindest im Namen. Im Heimat- und Apothekenmuseum des Fleckens wird gerade eine Sonderausstellung zum 140. Geburtstag des MTV vorbereitet. Dabei geht es natürlich um die Anfangsjahre des 1881 gegründeten Vereins, aber auch um die Vorstellung aller Abteilungen, die den Verein heute ausmachen. Die Abteilungen Leichtathletik und Kinderturnen sind die jüngsten im MTV.

Das Turnen der Kinder hat mit dem Turnen der Männer in den Gründungsjahren des Vereins allerdings überhaupt nichts zu tun, meint Kathrin Künzel. 01_DSC_0838

Die junge Mutter hat die Abteilung gemeinsam mit Mirja Storbeck vor etwa zwei Jahren übernommen. Das sei ein Eltern-Kind-Turnen, erzählt die Weferlingerin. Kinder im Alter von zwei bis zu acht Jahren träfen sich dazu mit ihren Eltern in der Allertal-Halle. Geturnt wird jeweils donnerstags nachmittags, wenn es denn endlich wieder möglich sein wird. Eigentlich geht es mehr darum, gemeinsam Spaß an der Bewegung zu haben, bei kleinen Spielen zu wetteifern. 40 bis 45 Kinder sind angemeldet, und darunter seien mehrere Geschwisterkinder, berichtet Kathrin Künzel. Sie bedauert, dass regelmäßige Treffen der Gruppe schon so lange wegen der Corona-Pandemie nicht möglich sind.

Stephanie Jörend und Jana Malicke haben die Abteilung Kinderturnen vor neun Jahren gegründet, weil sie auch für ihre eigenen Kinder nach einer sportlichen Betätigung gesucht haben. Die Initiatorinnen des Kinderturnens wollten 2012, als sie die Abteilung aus der Taufe gehoben haben, einfach den Mädchen und Jungen von klein an eine Möglichkeit geben, sich bei Spielen und kleinen Übungen zu bewegen und dabei Spaß an sportlichen Aktionen zu finden. In einem Alter von acht Jahren ist diese Phase für die Kinder vorbei. Dann können sie in andere Abteilungen des Vereins wechseln, sagt Kathrin Künzel, zum Beispiel zum Fußball oder Handball, das sind die größten Abteilungen des Vereins.

Oder auch zur Leichtathletik. Für Stephanie Jörend ist das eine gute Fortsetzung des Kinderturnens. Deshalb engagiert sie sich nun seit zwei Jahren dafür, hat also noch eine neue Abteilung gegründet. „In erster Linie trainieren wir mit verschiedenen Stationen die einzelnen Muskelgruppen und die Koordination. Jeder darf sich ausprobieren und rausholen, welche seine Sportart ist“, erklärt sie. Sie nennt es Spiel-Leichtathletik. Es gehe nicht um Wettkampf, sondern nur um die Verbesserung der eigenen Leistung, wenn das die Kinder möchten. Außerdem dürfen auch die Eltern mit laufen, springen usw. Davon machen aber nicht viele Gebrauch.

Leichtathletik hatte in Weferlingen auch mal Tradition. Olympiasiegerin Angela Voigt, geb. Schmalfeld, hat hier bei Horst Tober als Schülerin zuerst verschiedene leichtathletische Disziplinen trainiert und sich schließlich für den Weitsprung entschieden.

Heute gibt es in der Leichtathletik übrigens eine Kooperation mit den Schulen, so dass sich zum Beispiel zu Trainingszwecken auch Nichtmitglieder aufs Sportfest vorbereiten können. Trainiert werden soll in der Regel nur in der warmen Jahreszeit, in der Zeit nach den Osterferien bis zu den Herbstferien. In den Sommerferien ist Pause und im Winter auch. 2019 ins Leben gerufen, kam diese neue Abteilung leider noch nicht richtig zum Zug. Nur im ersten Jahr konnten sich die Kinder auspowern. Auch in diesem Jahr sieht es nicht gut aus. Nach den Osterferien jedenfalls kann das Training nicht beginnen.

Noch weiß der Bürgerverein Weferlingen auch nicht, ob das Museum wie geplant am dritten Sonntag im April mit der Eröffnung der Sonderausstellung zum 140. Geburtstag des MTV in die neue Saison starten kann. Noch ist kein Ende des Lockdown abzusehen. Im vergangenen Jahr konnte der Bürgerverein das Museum auch erst sehr viel später öffnen. Aufgebaut wird die Ausstellung dennoch.

Sportgeschichte braucht viel Platz im Museum

Die Vorbereitungen auf eine Sonderausstellung zum 140. Geburtstag des Männerturnvereins (MTV) Weferlingen im Heimat- und Apothekenmuseum laufen. Dabei ist noch nicht klar, ob die Ausstellung wie geplant am dritten Sonntag im April eröffnet werden kann. Vielleicht muss der Auftakt für die neue Museumssaison auch verschoben werden. Auf alle Fälle aber tragen die einzelnen Abteilungen des Vereins Material für die Sonderschau zusammen.

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Längst ist klar, dass der große Raum im Obergeschoss des Museums, der regulär für Sonderausstellungen genutzt wird, für 140 Jahre Sportgeschichte nicht ausreicht. Deshalb werden auch der zweite Raum im Obergeschoss und die Vitrinen auf dem Flur mit einbezogen. Die große Wandvitrine auf dem Flur soll zum Beispiel einige der zahlreichen Pokale, die die Weferlinger Sportlerinnen und Sportler erkämpft haben, zeigen.

Im zweiten großen Raum im Obergeschoss können später die Besucher in den Vitrinen viel Interessantes aus dem Gründungsjahr 1881 und den Anfangsjahren überhaupt sehen. Da gibt es eine Abschrift der Statuten, ein Buch der ersten Mitglieder und das erste Kassenbuch. Darüber hinaus zahlreiche Mitgliedsausweise und andere Dokumente. Peter Hildebrandt hat dieses Material zur Verfügung gestellt. Er hatte um die Jahrtausendwende dieses historische Material aus verschiedenen Quellen zusammengetragen.

Gegründet wurde der Weferlinger Verein, der heute zehn Abteilungen hat, als Männerturnverein.

02_DSC_0827 (2)Werner Ehlers ist einer der wenigen Sportler, die einst im Verein noch geturnt haben. Angefangen habe er hat als Zehnjähriger bei Bruno Schmidt sen., und zwar im Sportverein Jahn, denn damals gab es mehrere Sportvereine in Weferlingen. Ein Bild von einer Sportlerriege, auf der Bruno Schmidt sen. mit zu sehen ist, hat er für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus auch andere Bilder.

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Bis zur Wende gab es das Turnen im Verein und in Schulsportgemeinschaften noch. Bei einer Veranstaltung nach der Grenzöffnung in Grasleben war Werner Ehlers zum letzten Mal mit seinen Turnern zu sehen.

Jahrzehntelang hat der Weferlinger, der mittlerweile die 80 überschritten hat, Kinder und Jugendliche trainiert. In der neuen Allertal-Turnhalle sei er mit seinen Turnern aber nicht mehr gewesen, erzählt er. Erfolgreich waren die Schulsportgemeinschaften. Einige Jungen haben es bis zur DDR-Meisterschaft geschafft und dort einen guten Mittelplatz erreicht, erinnert sich Werner Ehlers. Marten Szibor sei einer der Besten gewesen.

Damals haben sie aber auch dreimal in der Woche trainiert, meint er. 1983 sei die Schulsportgemeinschaft sogar im Fernsehen in der Sendung „mobil“ gewesen. Fünf Jungen und drei Mädchen der Arbeitsgemeinschaft Gerätturnen waren mit ihrem Trainer drei Tage in Berlin-Adlershof, haben die Hauptstadt kennengelernt und im Fernsehstudio geturnt. Das war für alle ein großes Erlebnis und es gab drei Tage schulfrei.

Quelle: Volksstimme

Vor 100 Jahren Gemeindeschwester

Weferlingen (mbu) Eine Gemeindeschwester war vor einem Jahrhundert in Weferlingen tätig. Auch Nachbarorte konnten davon offensichtlich profitieren. Die Tätigkeit der Schwester zu finanzieren, war aber nicht immer einfach. Anfang März 1917 schrieb der Weferlinger Anzeiger, dass die bisherige Gemeindeschwester Elise Boutin nach fünfjähriger Tätigkeit in Weferlingen auf ihren Wunsch vom Evangelischen Diakonieverein Zehlendorf, dem sie angehört, einen anderen Wirkungskreis übernimmt. Ihre Nachfolgerin sei Schwester Anna Penckert, eine gebürtige Altmärkerin. Die Wohnung sei dieselbe, hieß es. Ein Dienstzimmer gab es daher wohl nicht.

Mitte Dezember 1919 wurde darüber berichtet, dass der Jungfrauenverein einen Familienabend im Saale des „Markgrafen von Bayreuth“ veranstalten würde. „Der Reinertrag ist für die hiesige evangelische Gemeindediakonie bestimmt. An die letztere treten infolge der herrschenden Teuerungsverhältnisse so hohe finanzielle Anforderungen heran, dass die zur Verfügung stehenden Mittel bei weitem nicht ausreichen. Hoffentlich wird der Familienabend so zahlreich besucht, dass er mit einem beträchtlichen Überschuss abschließt“, schrieb der Anzeiger. Das Programm sei sehr reichhaltig. Die früheren Veranstaltungen des Vereins hätten sich immer großer Beliebtheit erfreut.

Neben solchen Aktionen zur Finanzierung der Gemeindekrankenpflege gab es auch Aufrufe an die Einwohner, doch direkt zu spenden. So hieß es Ende März 1920, „heute und morgen werden durch besondere Boten einmalige Beiträge für die Gemeindekrankenpflege erbeten.“ Die Quittung erfolge in der Zeitung. Und tatsächlich veröffentlichte der Anzeiger ein paar Tage später eine lange Liste mit Namen und den entsprechenden Spenden. Von 20 Pfennig bis zu 20 Mark wurde gespendet, insgesamt kamen 1030,70 Mark zusammen. Ein paar Tage später wurden nochmal ein paar Namen genannt, die Spenden von insgesamt 35 Mark waren wohl nachträglich eingegangen.

Mitte Juni 1920 informierte der Weferlinger Anzeiger, die Gemeindeschwesterwohnung befinde sich jetzt in der Superintendentur. Sprechstunden würden von 7 bis 9 Uhr vormittags stattfinden.

Das Problem der Finanzierung blieb über die Jahre. Die Weferlinger Gemeindekrankenpflege teilte am 21. Dezember 1921 mit: „Durch die ungeheure Preissteigerung ist die hiesige Gemeindekrankenpflege gefährdet. Schon das vorige Rechnungsjahr lief mit einem Fehlbetrag von 62,93 Mark ab. Die Anforderungen zwangen uns, bis zum 2. 11. ein Darlehen von 2000 Mark aufzunehmen. Von diesem Darlehen kann vorläufig in absehbarer Zeit nichts zurückgezahlt werden.“ Das Mutterhaus zu Zehlendorf habe den Beitrag hiesiger Gemeinde für das Gehalt der Schwester von 2600 Mark auf 4000 Mark erhöht. Die noch fehlende Summe von 1000 Mark sei noch nicht vorhanden.

„Der Vorstand bittet zunächst die in Betracht kommenden Gemeinden, ihre Beiträge gütigst erhöhen zu wollen. Die Gemeinden Weferlingen und Döhren sind dieser Bitte bereits nachgekommen; es haben erhöht: Weferlingen von 900 auf 2000 Mark, Döhren von 75 Mark auf 200 Mark. Beiden Gemeinden wird dafür auch an dieser Stelle herzlich gedankt.“ Die Gemeinden von Seggerde und Siestedt wurden gebeten, ihre Beiträge entsprechend dem Döhrener Beitrag zu erhöhen. Aber auch damit allein würde das gute Werk noch nicht sichergestellt sein, war zu lesen. Sammler werden in Weferlingen in der laufende Woche herumgehen mit der herzlichen Bitte um eine einmalige Gabe, wird angekündigt und ergänzt: „Wir wenden uns vor allem an diejenigen, die ein besonders hohes Einkommen erzielt haben.“

Quelle: Volksstimme

Kinder stiegen auf fahrende Rübenwagen

In einer Bekanntmachung des Amtsvorstehers Reichwald in Weferlingen vom 16. Oktober 1917, die im Weferlinger Anzeiger veröffentlicht wurde, hieß es, dass bereits mehrere Anzeigen und Beschwerden darüber eingegangen seien, „dass von den Rübenwagen durch Kinder fortwährend Rüben entwendet werden. Es kommt ja vor, dass einige Rüben durch die Erschütterung auf dem Straßenpflaster vom Wagen fallen, und es wäre dann schade, wenn diese Rüben liegen bleiben und von den nachfolgenden Wagen überfahren und so der Ernährung von Menschen wie auch Vieh verloren gingen.“ Allerdings heißt es in der Bekanntmachung auch, es sei „beobachtet worden, dass Kinder, mit Stangen ausgerüstet, die Rüben vom Wagen stoßen und sogar auf die fahrenden Wagen steigen und große Mengen Rüben herunterwerfen. Gegen ein derartiges Treiben muss aber ganz energisch eingeschritten werden. Es ist daher die Pflicht der Eltern und Erzieher unserer Jugend, diese auf das Böse dieses Tuns und die Folgen hinzuweisen. Gendarme und Polizeibeamte sind angewiesen, mir jede von ihnen wahrgenommene Übertretung zur Anzeige zu bringen.“

Erfolgreiche Geflügelzüchter

Auf einer großen Geflügelausstellung in Magdeburg waren Geflügelzüchter der Region erfolgreich vertreten, vermeldete der Weferlinger Anzeiger am 18. Dezember 1921. Hohe Auszeichnungen erhielten in der Abteilung Hühner Dr. Nake aus Walbeck für Plymouth, Hermanns aus Weddendorf für Gold-Wyandottes, C.H. Thieme aus Weferlingen für Asseel. In der Abteilung Gänse wurden die Tiere von W. Moebius aus Weferlingen prämiert.

Bürgerverein baute neue Bänke auf

Drei neue Bänke hat der Bürgerverein Weferlingen wieder in diesem Frühjahr aufstellen lassen, zwei im Riesen und eine im Hagholz, schrieb der Weferlinger Anzeiger am 18. Mai 1918. Dazu hieß es weiter: „Hoffentlich werden diese Bänke nicht wieder zerstört, wie wir es leider schon seit Jahren erfahren mussten. Die im vorigen Jahre vom Bürgerverein gespendeten Bänke wurden sogar bald nach der Aufstellung gestohlen, was jetzt doppelt zu beklagen ist, da auch die Holzwaren sehr im Preise gestiegen sind. Die Bänke sind besonders für schwächliche und erholungsbedürftige Spaziergänger eine große Annehmlichkeit. Vielleicht hilft dieser Hinweis, dass unsere Halbstarken ihre Zerstörungswut nicht mehr an den Bänken auslassen.“

Hühner zerkratzten Grabanlagen

 „Es wird wieder darüber geklagt, dass die Grabanlagen auf unserem Friedhofe von Hühnern zerkratzt werden. Sollten die betreffenden Besitzer der Hühner den Tieren von jetzt ab das Betreten des Friedhofs nicht ernstlich verwehren, so werden wir uns genötigt sehen, Strafanzeige zu erstatten“, schrieb der Weferlinger Gemeindekirchenrat in einer Annonce im Weferlinger Anzeiger Mitte Mai 1918. Der Appell wird aber wohl nicht lange angehalten haben, denn in einem Inserat im Weferlinger Anzeiger vom 21. März 1920 appellierte der Gemeindekirchenrat erneut, „die an den hiesigen Friedhöfen angrenzenden Einwohner werden ersucht, mit Rücksicht auf die Gräber die Hühner auf dem Gehöft zu behalten.“